04.12.2013

Das Christentum in Nubien

Foto: Roley Edwards-Raudonat

Sudan-Seminar mit Dr. Roland Werner

Bei einem äußerst interessanten Sudan-Seminar des ejw-Weltdienstes und der Basler-Mission wurden Geschichte und Gestalt einer afrikanischen Kirche am Beispiel des Christentums in Nubien deutlich. Dazu trug der profunde Sudan- Kenner Dr. Roland Werner, Generalsekretär des deutschen CVJM, bei. Nicht nur aus seinen wissenschaftlichen Studien, sondern auch aus unzähligen Reisen und Begegnungen konnte er bei seinen Ausführungen reichlich schöpfen. Es gelang ihm, diese historischen Hintergründe lebendig und anschaulich zu vermitteln.

So vielfältig wie das Gesicht des Land äußerlich erscheint, ist auch die Jahrtausende alte, wechselvolle Geschichte dieses vielfältigen Landes Nubien, dass sich nilaufwärts zwischen dem oberägyptischen Assuan bis fast an den Zusammenfluss des weißen und blauen Nils bei Khartum im Nordsudan erstreckte. Es war eine wechselvolle über 5.000-jährige Epoche der verschiedenen Königreiche, die oft eng in der Verbindung des Niltales mit Ägypten verwoben war. 

In Nubien deckten sich die Pharaonen mit Weihrauch, Ebenholz, Elfenbein und Vieh, aber vor allem nubischem Gold ein - notfalls auch per Beutezug. Umgekehrt nutze Nubien jede Schwäche Ägyptens aus, um seinen Einfluss nach Norden auszudehnen. Knapp ein Jahrhundert lang (ab 750 v.Chr.) hatten Schwarzafrikaner das damals mächtigste Reich der Erde beherrscht und „schwarze Pharaonen“ bezogen Residenz in Theben und Memphis, der Hauptstädten Ober und Unterägyptens. Der wechselvolle kulturelle Austausch zeigte sich in Schrift, Kunsthandwerk und Sitte. Der Sudan zählte mehr Pyramiden als Ägypten, davon mehr als 100 in der Totenstadt von Meroe.

Ab dem 5. Jahrhundert blühte tausend Jahre eine einheimische christliche Kirche an der Schnittstelle zwischen Orient und Afrika. Es entwickelte sich dabei eine eigenständige Kultur und Kunst. Im Nationalmuseum in Khartum zeugen noch Bilder aus dieser Epoche, z.B. Fresken biblischer Geschichten der Kathedrale von Faras. Selbst christliche Riten, das Kreuzzeichen zum persönlichen Schutz auf die Stirn von Kindern zu zeichnen, wirken heute noch bei anderen Religionen in deren Kultur fort. 

Auch in der Bibel wird vielfältig auf Nubien Bezug genommen, sei es bei der Geschichte vom „Kämmerer aus dem Mohrenland“, oder Stellen, deren Inhalt mit dem Land „Kusch“ in Verbindung gebracht werden.

Was bleibt ist das Wissen, dass lange vor Ankunft der europäischen Missionare in der Neuzeit in Afrika und mehr als zwei Jahrhunderte vor der Entstehung des Islam sich das Christentum mit ganz eigener Gestalt, mit großem kulturellem und spirituellem Reichtum in Nubien ausgeformt hatte. Das spätere jahrhundertlange Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen war von großer gegenseitiger Offenheit und Respekt geprägt - Fundamentalismus war ihm fremd. Es ist Wunsch und Gebet, dass dieser Geist der gegenseitigen Toleranz auch in diesen Tagen lebendig wird.

 

Berti Kober, 

Vors. Sudan-Ausschuss im ejw-Weltdienst 

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