22.12.2015 - Autor: Susanne und Achim Janus, 1. Vorsitzender EJW-Weltdienst

Das Jesuskind im YMCA Children Center

Krippenspiel im Children Center Addis (Foto: Achim Janus)

Weihnachten in Äthiopien

Wie wird Weihnachten eigentlich in unserem Partnerland Äthiopien gefeiert? Achim Janus, 1. Vorsitzender des EJW-Weltdienstes, und seine Frau Susanne waren über den Jahreswechsel 2014/2015 zu Besuch im YMCA Addis Abeba und berichten, wie sie dort das Weihnachtsfest erlebt haben.

In ungemütlichem kaltem Schneegestöber machte sich eine kleine Delegation des EJW‐Weltdienstes Ende Dezember auf den Weg nach Äthiopien. Angenehme 23 Grad, blauer Himmel und wunderschöner Sonnenschein nahmen uns in Addis in Empfang. Unser erstes Ziel war das dortige YMCA Children Center. Herzlich wurden wir mit Blumen und einem tollen Frühstück begrüßt.

Fröhliche Kinderstimmen erklangen über den Platz. Aufgeregt und voller Vorfreude probten die Jüngsten das Krippenspiel für das Weihnachtsfest. Voller Hingabe hielt Maria das Jesuskind in den Armen, auch die Hirten fehlten nicht.

Auf dem Weg  durch Addis blinkten und funkelten Weihnachtsbäume und Palmen aus Plastik, die festlich die Geschäfte und Straßen schmückten ‐ Vertrautes und doch so ganz anders. Die Abende kühlten deutlich ab und es war für uns beschämend zu sehen, in welchen „Unterkünften“ Menschen Obdach suchten. Sei es nun ein Stück Abwasserrohr aus Beton oder eine Wellblechkiste am Straßenrand … und die Kinder im CCA spielten das Krippenspiel: Maria und Josef fanden keinen Platz in der Herberge.

Anders als in anderen christlichen Ländern wird das Weihnachtsfest („Genna“) in Äthiopien in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar gefeiert. Grund dafür ist, dass sich die äthiopisch‐orthodoxen Christen nicht am gregorianischen sondern am julianischen Kalender orientieren.

Seit dem frühen Nachmittag hörten wir bereits die Gesänge der Priester von der nahegelegenen Kirche. In weiße Festtagsgewänder gehüllt machten wir uns auf den Weg. Tausende von Menschen versammeln sich in und vor den Kirchen, um den etwa sechsstündigen Gottesdienst mit zu erleben und die Geburt Christi sowie das Ende der vorweihnachtlichen Fastenzeit zu feiern

Lautsprecher sind installiert, damit auch diejenigen zuhören können, die keinen Platz im Innern der Kirchen gefunden haben. Gehüllt in festlich weiße Gewänder tragen viele beim Betreten der Kirche eine Kerze. Nach alter Tradition stehen Frauen  und Männer getrennt.

Alte Psalmen und traditionelle Weihnachtslieder erklingen, begleitet von Zimbeln und Trommeln. Die höchsten Priester sind in Brokat und weiß gekleidet. Das Singen, Tanzen und Lachen sowie die herzliche Freude im Gottesdienst waren beeindruckend – es gibt nur wenige Länder, in denen der christliche Glaube so tief im Volk verwurzelt ist, wie in Äthiopien.

Irgendwann nach Mitternacht zurück im CCA wurden zunächst mehrere Kilogramm Zwiebeln geschnitten, Tomaten vorbereitet – all das für Doro Wot eine Art Hühnchen mit Soße, das wohl bekannteste Gericht Äthiopiens. Auch das Huhn musste noch geschlachtet werden, was wir dem Nachtwächter überließen. Mihiret hat es anschließend gerupft, vorbereitet und gekocht.

Als wir nach wenigen Stunden Schlaf am Morgen in die Küche kamen, hatte Mihiret noch eine Menge Injera und Ambascha (ein großes rundes Brot) gemacht. Zum Weihnachtstag gehört neben dem geschmückten Weihnachtsbaum die morgendliche Kaffeezeremonie, außerdem gab es frisches Popcorn und Ambascha. Unser Gastgeschenk, ein Herrnhuter Stern wurde dabei ganz neu interpretiert. Wie es sich gehört, war der Boden mit Gras und Blüten dekoriert. Später zum Mittagessen gab es dann das Doro Wot.

Zu Weihnachten in Äthiopien und wenige Tage später wieder zurück in Württemberg. Auch unter uns in Württemberg feiern orthodoxe Christinnen  und  Christen  aus  Äthiopien vom 6. auf den 7. Januar Weihnachten. Das Jahr 1974, das Jahr der Revolution, bedeutete damals in Äthiopien einen tiefen Einschnitt in die Geschichte der orthodoxen Kirche. Viele Äthiopier sahen sich gezwungen, ihr Land zu verlassen und bei uns um Asyl nachzusuchen. Viele dieser Flüchtlinge kamen auch nach Deutschland und gründeten hier eigene Gemeinden so beispielsweise die äthiopisch‐orthodoxe Tewahedo‐Kirche Mariä Verkündigung in Stuttgart.

Wir haben in Äthiopien eine reiche christliche Tradition kennengelernt und ein unvergessliches Weihnachtsfest miterlebt.

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