07.11.2016 - Autor: Walter Wolf (Zusammenfassung und Übersetzung)

"Diese werden die letzten sein"

Neues Konzept für die landwirtschaftliche Ausbildung im Mada Hills YMCA/Nigeria

Acht Schüler werden zum Ende des Jahres ihre Ausbildung im landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum ATC Obi/Igposogye abschließen. Danach ist Schluss. In den 32 Jahren seines Bestehens hat das Zentrum über 700 Frauen und Männer ausgebildet. Eine mehrjährige Vollausbildung für Landwirte wird das Projekt zukünftig nicht mehr anbieten. Dass das Projekt eine neue strategische Ausrichtung braucht, hat sich schon länger abgezeichnet. Die Zerstörung und Plünderung des Zentrums während der ethnischen Krise 2014 / 2015 hat den Druck verstärkt, das Konzept jetzt anzupassen

Im April und Juni hat sich im YMCA Mada Hills eine Gruppe von 26 Personen zusammengesetzt, um über die Zukunft des Ausbildungsprojekts ATC Obi / Igposogye zu beraten. “Stakeholders“ nennt man eine solche Gruppe von Menschen, die in verschiedenster Weise an einem solchen Projekt beteiligt sind. Dazu gehören YMCA –Vorstandsmitglieder, Projektausschussmitglieder, Personal, Lehrer, Schüler*innen und ehemalige Schüler*innen und Vertreter*innen der Kommune. Ziel des Treffens war, die strategische Ausrichtung des Projekts neu zu definieren.

Dies war notwendig geworden, weil in den letzten fünf Jahren die Anzahl der Trainess für die zweijährige Landwirtschaftliche Ausbildung ständig schwand. Der Überfall auf das Zentrum während eines ethnischen Konfliktes 2014 und die Zerstörung mehrerer Gebäude auf dem Projektgelände hat die Vollzeit- Ausbildung vollends zum Erliegen gebracht. Nun schließen die letzten acht Trainees ihre Ausbildung dort ab.

Eine Fortsetzung der institutionellen Ausbildung im alten Konzept ist für die Verantwortlichen vor Ort keine Option. Gründe dafür sind:

  • Nachlassendes Interesse junger Menschen an einer Landwirtschaftlichen Vollzeit-Ausbildung.
  • Zerstörte Gebäude müssten unter hohem finanziellem Aufwand wieder aufgebaut werden.
  • Konstante Sicherheit auf dem Gelände kann (noch) nicht garantiert werden.
  • Vollausbildung kann auch in Zukunft nicht kostendeckend betrieben werden.

Deshalb sollen folgende Strategien verfolgt werden, um landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung den aktuellen Erfordernissen anzupassen:

1. Forschung und Kurzzeitausbildung intensivieren. Das hat zu tun mit der Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen durch Versuche in Kurzzeit-Kursen. Landwirtschaftliche und gärtnerische Methoden, Weiterentwicklung von Tier- und Pflanzenaufzucht.

2. Dezentrale Arbeit / Zusammenarbeit mit den Kommunen (Extension Services). Das hat damit zu tun, lokalen Bauern verbesserte Methoden nachhaltiger Landwirtschaft und weitere relevante Dienstleistungen anzubieten.

3. Kommerzielle Produktion. Damit ist gemeint, dass das ATC-Programm sich zukünftig durch eine landwirtschaftliche Produktion nachhaltig zur eigenen Finanzierung beiträgt.

 

Folgende konkrete Empfehlungen werden ausgesprochen:

1. Nachdem die acht Trainees Ende 2016 ihre Ausbildung abgeschlossen haben, soll es keine weiteren Langzeitkurse mehr geben.

2. Neben Dienstleistungen für die Kommunen als wichtigste Strategie sollen weitere Ziele verfolgt werden:

  • Kurzzeitkurse für Bauern mit für sie relevanten Inhalten.
  • Angebote von Inputs für interessierte Bauern.
  • Demonstrationsgärten / Felder in den Kommunen.
  • Gründung von Innnovationsplattformen.
  • Verbreitung des Kleinkreditsystems VSLA (Village Savings & Loans Associations).
  • Gründung und Koordinierung von Ex-Trainee Associations und  Community Agriciultural Extension Volunteers (CAEV) als Netzwerke zum Lern- und Erfahrungsaustausch.
  • Suche nach weiteren Finanzierungs- und Kooperationspartnern (neben dem EJW).
  • Verstärkung der Netzwerke und Zusammenarbeit mit relevanten Organisationen.

 

Kosten:

Natürlich ist auch dieses Konzept nicht ohne erhebliche finanzielle Unterstützung zu verwirklichen.
Ein umfangreiches Budget, das sich über einen Zeitraum von 6 Jahren erstreckt, liegt dem Strategiepapier bei. Neben dem EJW-Weltdienst sollen weitere Finanzierungspartner ins Boot geholt werden.
Nach sechs Jahren soll der Zuschuss des EJW nur noch 15% der Projektkosten betragen.
Bis 2026 soll sich das Projekt komplett selbst tragen.

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