28.04.2014 - Autor: Dorothee Kolnsberg und Andrea Kalmbach

Eierklopfen, Waffelplätzchen und Ikonen

Der Priester mit dem Osterlicht (Foto: Hans-Joachim Janus)

Über Ostern war eine Delegation des EJW-Weltdienstes zu Besuch in Rumänien.

Die Partnerschaft mit der dortigen orthodoxen Erzdiözese feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. Ein Schwerpunkt des Aufenthaltes in Rumänien war neben den Besuchen in sozialdiakonischen Projekten und der dortigen Jugendarbeit der Besuch im Kloster Piatra Fontanele.

Die Nonne fährt einen heißen Reifen

Die Nonne Valentina holt uns mit dem VW-Bus aus Cluj, auf Deutsch Klausenburg, ab. Sie fahre einen „heißen Reifen“, sagt man ihr nach. Valentina legt sich mit dem VW-Bus rechts und links in die Kurven. Ihr Haar ist unter Kopfbedeckung und schwarzem Schleier versteckt. Das Handy hat sie zum Telefonieren zwischen Schleier und Ohr gesteckt. Nach drei Stunden Fahrt tauchen in der Ferne die ersten schneebedeckten Hügel auf. Die Landschaft verwandelt sich von grünen Hängen in hüglige Fichtenwälder. Nun geht es auf die Passstraße, an der auch das Kloster Piatra Fontanele liegt. Am Gästehaus des Klosters angekommen beziehen wir unsere Zimmer. Der Kamin ist angefeuert und das Holz knistert. Es ist wie nach Hause zu kommen. Wir essen während der Ostertage gemeinsam mit den Nonnen im Speisesaal. Vor den dunklen Holzbänken an einer langen Tafel bleibt man zum Tischgebet stehen. Erst nach dem Gebet setzt man sich. Zum Essen servieren die Schwestern beispielsweise cremige Bohnensuppe, Falafel-Bällchen, gefüllte Pilze, Kartoffelsalat und rote Beete, Kaffee und Waffelplätzchen mit Schokolade und Sirup. Vor Ostern gibt es das Fastenessen, die Nonnen essen vegan.

„Um ein Kloster zu leiten, muss man jung denken“, dies erklärt die Äbtissin des Klosters in Piatra Fontanele der deutschen Gruppe. So gehören beispielsweise neben dem Arbeiten und dem Beten auch Ausflüge oder gemeinsame Absprachen unter den Nonnen zum Programm im Kloster. Die Nonnen sind aufgeschlossen und interessiert. 23 Nonnen und ein Priester leben derzeit im Kloster.

Man malt von der Finsternis ins Licht

Bei einer Führung durchs Kloster zeigt uns die Äbtissin Pamfilia die Näherei des Klosters, die Küche, die Winterkirche und die Ikonenwerkstatt. „Ich erkenne ganz genau, welche Schwester welche Ikone gemalt hat“, erklärt sie. Sie sieht es an den Linien und den Wesenszügen der Heiligen.

In der Werkstatt liegen die Pinsel aufgereiht bereit und die Behältnisse mit Mineralfarben stehen nach Farben sortiert im Schrank. Die Nonnen verwenden auch Blattgold, was symbolisch für Licht und die Herrlichkeit Gottes steht. In der orthodoxen Kirche sind Ikonen ein fester Bestandteil der Liturgie. In der Ikonenwerkstatt lernen wir mehr über die einzelnen Arbeitsschritte. Zuerst sind die Flächen noch grob ausgemalt, dann wird die Farbgebung immer komplexer. Die Gesichter erhalten Feinheiten, die Gewänder werden detailreicher. „Von der einfachen Grundfläche malt man sich immer tiefer in die Darstellung hinein. Das Bild wird zunächst in seiner dunkelsten Farbe grundiert und dann mit immer helleren Farben übermalt.  „Es benötigt Ruhe und Sorgfalt, eine Ikone zu malen und man malt im Gebet.“

Karfreitag – Der Todestag Christi

Die Ikonen gewinnen für uns an Bedeutung, wir sehen die Bilder aus neuer Perspektive. Unseren Glauben teilen wir auch bei den gemeinsamen Gottesdiensten in der Klosterkirche. Als Gäste der Nonnen finden wir am Karfreitag im vorderen Bereich einen Stehplatz vor dem Chorgestühl. Noch ist es hell. Eine Nonne steht vor dem geschnitzten Lesepult und hält eine Art Litanei. Es klingt wie eine Zwischenform zwischen Lesen und Singen. Später gibt es einen Wechselgesang. Es wird dunkel. Die beiden Priester versammeln sich mit dem Nonnenchor um ein Holzkreuz. Einige Schwestern haben Tränen in den Augen. Am heutigen Karfreitag beklagen wir den Tod Jesu Christi. Sein Kreuz wird symbolisch zu Grabe getragen. In einer feierlichen Prozession ziehen wir um die Kirche. Die Priester haben symbolisch ein weißes Grabestuch über sich, das von vier Nonnen an allen vier Ecken mit Holzstäben festgehalten wird. Der Wind weht eisig und Weihrauchfunken fliegen durch die Luft. Als wir die Kirche wieder betreten, halten die Priester das Vortragekreuz und die goldene Altarbibel in der Hand. Die orthodoxen Christen und jeder, der möchte, berührt beides mit einem Kuss. Wie in einem Trauerzug ziehen die Priester dann an den Gläubigen vorbei, es folgt die Predigt.

Christus ist auferstanden

In der Osternacht kommen rund 500 Gläubige ins Kloster. Am Eingang der Kirche erhält jeder eine Kerze. Der Gottesdienst findet in der Kirche statt und zwischendurch gibt es eine feierliche Prozession um die Kirche. Eine Osterkerze symbolisiert Hoffnung und das Licht der Auferstehung. An ihr entzünden die Gläubigen ihre Kerzen. Nach kurzer Zeit stehen wir in einem Meer von Lichtern. Die Osterglocken läuten als Zeichen der Auferstehung Christi. Der Priester ruft mehrmals die Osterbotschaft „Christus ist auferstanden“ und die Gemeinde antwortet freudig im Chor: „Er ist wahrhaftig auferstanden“. Die orthodoxen Christen feiern gemeinsam das Abendmahl und wir erhalten gesegnetes Brot, das in Wein getaucht wurde.

Nach dem Gottesdienst wird an einem reich gedeckten Tisch im Speisesaal das Fasten gebrochen. Es wird gemeinsam gefeiert bis in den frühen Morgen. Es gibt Hühnersuppe, Käse, Wurst und zum Hauptgang Lamm und Krautwickel. Traditionell liegen rote Eier auf den Tischen, mit denen man sich durch gegenseitiges Eierklopfen begrüßt und den Ostergruß wünscht: „Christus ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden!“ Am Abend fahren wir gemeinsam auf eine Lichtung im Wald und lernen uns so schnell besser kennen. Es wird gegrillt, Ostereier gesucht und gemeinsam am Osterfeuer gesungen.

Spenden

Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Haeberlinstraße 1-3
70563 Stuttgart
Fon 07 11/97 81-0


Montag-Donnerstag:
9:00-12:30 Uhr / 13:15-16:00 Uhr
Freitag:
9:00-12:30 Uhr


Kontaktieren Sie uns gerne auch direkt:

Ansprechpartner

Arbeitsbereiche


Sie finden uns auch auf folgenden Plattformen

Wir unterstützen das EJW

Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) bietet als Landesstelle sinnstiftende Angebote, Veranstaltungen und Dienstleistungen für Jugendwerke in Orten und Bezirken, aber auch für Kinder, Jugendliche, Konfirmanden, junge Erwachsene, Erwachsene und Familien. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) ist die Zentrale für die evangelische Jugendarbeit in Württemberg und arbeitet selbstständig im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.


Das Evangelische Jugendwerk Württemberg (EJW) gehört zu: