03.12.2014 - Autor: Harald Metzer, Vorsitzender Länderausschuss Äthiopien

Eselkarren trifft ICE - Äthiopien im Umbruch

Äthiopisch-Deutsche Begegnung (Foto: Harald Metzger)

Mitglieder des Länderausschusses Äthiopien auf Partnerschaftsbesuch beim YMCA Äthiopien

Äthiopien erschien bisher wie ein Land im Aufbruch, nun ist es ein Land im rasanten Umbruch. Die Hauptstadt ändert ihr Gesicht – Stadtautobahnen, Hochbahnlinien, ICE-Trassen und unzählige Hochhäuser verändern das Leben in Addis Ababa. Die Luft ist staubig geworden, im Zentrum steht ein Betonwerk, der Verkehr ist viel zu oft am zusammen brechen, Menschenmassen strömen durch die Straßen. Eine solch rasante Entwicklung ist uns Europäern inzwischen fast fremd geworden.

Mit den YMCA-Partnern besuchen wir die andere Seite der Stadt. Die Hüttensiedlungen am Flussufer – nicht gerade idylisch gelegen. Familien gestrandet in der Großstadt, oftmals „Rumpffamilien“, denen der Vater verloren gegangen ist. Die Frauen kämpfen mit ihren Kindern täglich ums Überleben und für eine lebenswerte Zukunft ihrer Kinder.

Es fällt auf, dass neben den materiellen Problemen die fehlenden Beziehungen für die Familien eine große Belastung sind. Oft sind die Familien auf sich allein gestellt, die Verwandten sind weit weg von der Hauptstadt und Vereinsamung greift um sich.

 

Hilfe für Familien

In Addis Ababa unterstützt das YMCA Children Center Addis Ababa (CCA) über 70 Familien mit einem monatlichen Geldbetrag, der die größte Not zunächst einmal lindert. Wichtig ist die verlässliche und kontinuierliche Hilfe für Familien, die keine regelmäßigen Einkünfte haben.
Und dann sind da Mütter, die noch stark genug sind eine neue Existenz aufzubauen. Wir sitzen in der Hütte von Besrat (Name geändert). Besrat schafft es mit zwei Jobs und der YMCA Unterstützung ihren fünf (!) Kindern ein Zuhause zu schaffen. Und nun erläutert sie Geta, dem Sozialarbeiter des CCA und uns ihren Businessplan. Mit einer Investition von 2.500 ETBirr (ca. 100 €) könnte sie Injera (ein Getreidefladen, das äthiopische Grundnahrungsmittel) backen und an den vielen Baustellen in der Umgebung als Mittagessen zu verkaufen – sie kalkuliert mit 25 Fladen pro Tag und einer Einnahme von 100 ETB täglich, das ist der dreifache Tageslohn eines Hilfsarbeiters.

Beeindruckt von Besrats Energie und Engagement verlassen wir die Hütten und werden mit Geta diskutieren, wie hier geholfen werden kann.

Der YMCA Äthiopien entwickelt sich stetig weiter. Seit mehreren Jahren sind nun die gleichen Mitarbeiter an den wichtigsten Stellen, das sorgt für Kontinuität. Zudem wächst eine zweite Generation von Mitarbeitern in die Verantwortung hinein. Bei Gesprächen mit dem Präsidenten des YMCA Dr. Tsegai Berhe und dem Generalsekretär Tezera Woldemehin werden uns die Konzeption und die Struktur des YMCA für die nächsten Jahren erläutert.

 

Praktische YMCA-Arbeit

300 km südlich der Hauptstadt erleben wir die Entwicklung des YMCA hautnah – wir sind in Hawassa, einer lebendigen, jungen Universitätsstadt. Im YMCA arbeiten ca. 70 junge Menschen ehrenamtlich mit. Hausaufgabenhilfe, Englischunterricht, Sportprogramme, Tanzen und Chöre, Theatergruppen werden angeboten. Wir gewinnen den Eindruck, dass zwischen der Leitung des YMCA und den jungen Menschen ein ganz enger Draht besteht. Lealem, der Programmsekretär, ist ein ganz großer Motivator und wenn es sein muss ein auch ein toller Sänger. Er hat auch den YMCA-Song von Hawassa geschrieben.

Der EJW-Weltdienst hat dieses Jahr Fortbildungen für ehrenamtliche Mitarbeiter des YMCA finanziert, in Hawassa sind wir nun Gäste bei der feierlichen Übergabe von Ausbildungsurkunden an 50 Mitarbeiter der YMCA. Es gab Fortbildungen in Existenzgründung, Charakterbildung und IT-Technologien – wir konnten nur herzlich gratulieren und über das YMCA-Rahmenprogramm staunen.

Es gab den mitreißenden YMCA-Song live, Theaterstücke mit einer Interpretation des Gleichnisses vom verlorenen Sohn, eine Modeshow und nicht zuletzt die Wahl der Miss YMCA, die für ein Jahr Botschafterin des YMCA bei Veranstaltungen in der Stadt sein wird.

Nach 10 Tagen verabschieden wir uns mit vielen Eindrücken wieder aus Äthiopien. Wir sind sehr dankbar, dass die Arbeit des YMCA sich weiter entwickelt und unsere Unterstützung für die Geschwister in Äthiopien sehr gut umgesetzt wird.

 

Danke für Ihre Unterstützung

Natürlich freuen wir uns, wenn Sie die Arbeit des EJW-Weltdienst und des YMCA Äthiopien mit ihrer Spende weiter unterstützen. Sie können ganz individuell entscheiden, ob Sie die Jugendarbeit und den Aufbau der YMCAs (Projekt-Nr. ETH100) und/oder die Kinder- und Familienprogramme (Projekt-Nr. ETH105) unterstützen.

 

Spendenkonto:
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Projekt-Nr. ETH100 Äthiopien
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