10.12.2014 - Autor: Stefan Hoffmann

Große Unsicherheit nach dem Überfall

Mitarbeiter und Auszubildende des YMCA Trainingzentrums leben seit August in ihrer Notunterkunft in Lafia (Foto: Stefan Hoffmann)

YMCA Lafia in Nigeria befürchtet, dass Nahrungsmittel knapp werden

Wir fahren an leeren Dörfern vorbei. Niederbrannte und geplünderte Häuser, vernichtete Felder, abgefackelte Autos. Weder Menschen noch Tiere sind unterwegs. Es sind Geisterstädte, durch die wir kommen. Sie stehen im krassen Gegensatz zu den sonst so turbulenten und lauten Straßenszenen, denen man begegnet, wenn man in Afrika unterwegs ist. Von den allgegenwärtigen fliegenden Händlern über die laut beschallten Friseurstudios am Straßenrand bis hin zu den kleinen Bars und Verkaufsständen – all das gehört hier in der Nähe der Stadt Lafia im Norden Nigerias der nahen Vergangenheit an.

 

Was ist passiert?

In Nigeria herrscht ein uralter Streit zwischen nomadierenden Kuhhirten (Fulani) und ansässigen Bauern. Ende August begannen Milizen der Kuhhirten nach einem Gottesdienst im Dorf Ikposogye, das rund 40 km von Lafia entfernt liegt, um sich zu schießen. Sie bedrohten die Bewohner und setzten Häuser in Brand. Die Menschen begannen zu fliehen und sich zu verstecken. Das Dorf wurde dann besetzt und als Basis benutzt, um in immer größerem Radius weitere Überfälle zu machen. Wie viele bisher umkamen oder verletzt wurden, kann niemand genau sagen. Fakt ist, dass die Milizen immer weiter vordrangen und niemand ihnen Einhalt gebot und derzeit auch nicht bietet. Zu groß sind wohl die Interessen verschiedener Konfliktparteien, die Region instabil zu halten.

Kaum 800 Meter vom Dorf Ikposogye entfernt liegt das ATC – Agricultural Training Center des YMCA Mada Hills. Dieses Landwirtschaftszentrum bildet Menschen in Landwirtschaftstechniken wie Viehhaltung, Düngung oder modernen Anbaumethoden aus. Als die Schießerei an dem Sonntag im August losging, sind alle geflohen. Tagelang war die Situation unsicher, nach einigen Wochen konnten die Mitarbeiter dann zurück und den Schaden im Zentrum aufnehmen: Tiere verschleppt, Ernten zerstört und Häuser und Gegenstände beschädigt oder gestohlen. Diejenigen des ATC, die nicht in ihre Dörfer zurück konnten, fanden in der nahegelegen Stadt Lafia in einer noch nicht fertiggestellten YMCA Jugendherberge (YHEC) Unterschlupf – teilweise lebten dort bis zu 60 Menschen. Als wir im November in Lafia waren konnte niemand die Gegend um das ATC besuchen. Die Lage ist zu unsicher. Derzeit leben rund 25 Menschen im YHEC und wissen nicht, wann sie zurück können. Die wenigen Nahrungsmittel, die sie retten konnten, gehen zur Neige. Neben dem körperlichen Mangel, sieht man deutlich, dass die Monate der Unsicherheit und der nicht geklärten Zukunft ihre Spuren hinterlassen.

Und es ist kein Ende in Sicht. In Nigeria sind im Februar 2015 Wahlen und bis dahin hat niemand ein ernstes Interesse, die Lage zu stabilisieren. Und noch schlimmer, Ango Adamu, der Leiter des ATC, befürchtet, dass es langfristig zu einem Nahrungsmittelengpass kommen kann: „Die Bauern können ihre Ernten nicht einbringen. Alles wird zerstört, von den Kühen gefressen oder verdirbt. Ich befürchte, dass wir nächstes Jahr nichts auf dem Markt zum Kaufen und Verkaufen haben.“

Der EJW-Weltdienst hatte im September eine Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Wir wollen auch jetzt weiterhin helfen und neben Nahrungsmitteln für Flüchtlinge, die im YHEC wohnen, uns an den Kosten eines Kurses zur Trauma-Aufarbeitung beteiligen und die Mitarbeiter dort unterstützen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Die Kosten belaufen sich derzeit auf 3.500 EUR. Ab März rechnen wir damit, das ATC wieder aufzubauen, der Schaden dort wird um 15.000 EUR geschätzt

Danke, wenn Sie für unsere Geschwister beten: für Frieden in der Region um das ATC und für einen friedlichen Verlauf der Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2015. Danke, wenn Sie sich nicht nur an der Soforthilfe, sondern auch am Wiederaufbau des Zentrums beteiligen.

Für Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung,

Stefan Hoffmann
Landesreferent im EJW-Weltdienst
stefan.hoffmann@ejwue.de

  

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Projekt-Nr. NGR110 (Nigeria - YMCA Mada Hills – Ikposogye)

 

 

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