27.11.2013 - Autor: Hanna Gessler/Karolin Schuh

Melkam Genna

(Foto: Hanna Gessler/Karolin Schuh)

Wie wird Weihnachten eigentlich in unserem Partnerland Äthiopien gefeiert? Hanna Gessler und Karolin Schuh waren 2012/2013 als Freiwillige des ejw-Weltdienstes in Addis Abeba und berichten, wie sie dort das Weihnachtsfest erlebt haben.

„Melkam Genna“ – das bedeutet "Frohe Weihnachten". In Äthiopien wird das ein bisschen anders gefeiert, als bei uns. In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar gingen wir gemeinsam in den orthodoxen Weihnachtsgottesdienst, der die ganze Nacht dauert. Wir Mädels zogen uns lange Kleider und Kopftücher an, denn das ist die angemessene Kleidung für die Kirche. 

Der orthodoxe Weihnachtsgottesdienst ist unvergleichbar mit den Gottesdiensten bei uns. Männer und Frauen sind auf verschiedenen Seiten. Vorne tanzen und singen die Priester und Dekane, es wird getrommelt, geklatscht und die Frauen trillern mit ihren Zungen. Das ist ihre Art Freude auszudrücken. So ein Gottesdienst ist ein faszinierendes Erlebnis. Alles ist in einer speziellen uralten Kirchensprache „Ge’ez“, die nur von den Priestern gesprochen wird. Also so wie Latein damals bei uns im Mittelalter. Auch wenn ich nichts verstanden habe, war es ein einzigartiges Gefühl dabei zu sein, inmitten den ganzen Leuten, mitzuklatschen und mitzutrillern.

Nach Mitternacht machten wir uns auf den Heimweg, um das Huhn, das wir am Vortag auf dem Markt gekauft hatten, zu schlachten. Frauen dürfen nicht schlachten, und so wurde das von unserem Guard und einem Kumpel übernommen. Wir hatten alle einen Riesenspaß und haben unglaublich gelacht beim Schlachten, Ausnehmen, Waschen und Zubereiten. „Doro wot“ (Huhnsoße) ist das traditionelle Weihnachtsgericht in Äthiopien. Und das hat wirklich super gut geschmeckt!

Am Weihnachtstag haben wir ganz gemütlich gefrühstückt – mit Kaffeezeremonie und Ambasha (köstliches Weißbrot). Gleich im Anschluss gab es dann unser Huhn mit Injera und danach gingen wir zu Mihirets Familie. Dort haben wir wieder Kaffee getrunken, Ambasha gegessen und getanzt.

Und am 19. Januar war gleich noch ein Feiertag – „timkat“ oder auch Epiphanie (Erscheinungsfest) genannt. Es ist eines der wichtigsten orthodoxen Feste, denn es wird die Taufe von Jesus, durch Johannes den Täufer, gefeiert. Die meisten Äthiopier sind tiefreligiös. Am Tag zuvor wurde die Bundeslade aus jeder Kirche auf einen großen Platz gebracht, wo sie die Nacht über bleiben.

Am nächsten Tag versammeln sich dort viele Menschen, denn die Priester singen, beten und segnen Wasser in einem großen Becken, welches sich in einem eingezäunten Bereich befindet.

Dank unserem „Onkel“ Firew, der Reiseleiter ist, durften wir in diesen ganz besonderen Bereich und der Zeremonie beiwohnen, da er gerade mit einer Gruppe australischer Touristen unterwegs war. Und so lud er uns dazu ein. Es war uns eine ganz besondere Ehre, denn dieser Ort ist wirklich heilig. Jeder Äthiopier würde alles dafür geben, dort hineinzukommen.

Noch im Morgengrauen, machten wir uns auf den Weg, da es sehr voll sein würde. Zuerst sangen und beteten die Priester über dem Wasser. Nach einigen Stunden waren sie fertig und so wurden die Leute mit dem heiligen, gesegneten Wasser angespritzt. Es war total beeindruckend das zu sehen, da alle Leute sich nach diesen Wassertropfen ausstreckten und so glücklich waren, wenn sie durch dieses Wasser gesegnet wurden. Viele warfen auch leere Flaschen in den eingezäunten Bereich und so füllten wir sie mit dem heiligen Wasser und warfen sie zurück, was die Leute sehr glücklich machte. Es ist unglaublich, aber die Äthiopier glauben wirklich, dass dieses gesegnete Wasser heilig ist. Beispielsweise sahen wir, wie ein krankes Mädchen nach vorn getragen wurde, damit sie etwas von dem Wasser abbekommt – sie hat geweint vor Freude!

 

geschrieben von Hanna Gessler/Karolin Schuh (Redaktion: gs) am 27.11.2013 um 10:00 Uhr

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