20.01.2014 - Autor: Steffen Kaupp

"Muss noch kurz die Welt retten..."

Foto: Fritz Leng

Lebensspuren in Äthiopien

"Rette einen Menschen - und du hast die Welt gerettet", erzählt uns die Weisheit des Judentums. In Afrika, vor allem in Äthiopien wird demnach sehr oft die Welt gerettet - durch das überzeugende und langjährige Engagement des ejw-Weltdienstes. Zwei Wochen lang konnte ich es mit eigenen Augen studieren - und staunen...

Da ist Hoftum, ein Waisenjunge, der mit seinem erblindeten Opa in Adwa im Norden Äthiopiens lebt. Schon seit einigen Jahren erhält er als Fosterchild finanzielle Unterstützung fürs tägliche Brot und liebevolle Aufmerksamkeit durch den örtlichen CVJM-Referenten. So kann er die Schule besuchen und muss nicht betteln oder auf dem Feld arbeiten. Bei unserem Besuch strahlen uns seine dankbaren Augen an und er zeigt sich wissbegierig und interessiert. Voller Stolz zeigt er uns sein zerfleddertes Englisch-Amharisch-Lexikon, das er ebenfalls durch die Weltdienst-Unterstützung bekommen hat. Was bei manchen deutschen Jugendlichen die "Harry Potter"-Lektüre ist, ist für Hoftum dieses Lexikon. Ich habe keine Zweifel: Er wird es schaffen und auf eigenen Beinen stehen. Die Hilfe zur Selbsthilfe kommt an.

Ich begegne Yonathan*, einem fröhlichen sportlichen Jungen. Auch er ist ein vom Weltdienst unterstütztes Waisenkind. Beim Kicken werden wir sofort zum Team. Ich schätze seinen Umgang mit den jüngeren Kids unserer Mannschaft. Soziale Kompetenz nennt man das wohl. Ich nenne es Lebenslust.

Hinterher erfahre ich, dass er HIV positiv ist. Von der verstorbenen Mutter übertragen. Auch sein Bruder ist daran bereits gestorben. Er selbst weiß nichts davon. Dass auch er finanzielle Unterstützung und menschliche Zuwendung durch das ejw-Programm bekommt, macht mich dankbar: Unterstützung, ja Liebe für die Jahre, die ihm bleiben. Wenn er vielleicht auch nicht unzählige Jahre in sein Leben bekommen wird, so bekommt er doch heilvolles Leben in die Jahre. Mit der Weltdienst-Hilfe. 

Übers ganze Land werden sogenannte "Foster-Children", Halb- und Vollwaisenkinder, in Äthiopien begleitet, gefördert, unterstützt. Kinder aus düstersten Lebensverhältnissen entdecken den Himmel für sich.

Für junge Menschen höheren Alters bieten die äthiopischen YMCA berufsqualifizierende Trainings an: in unterschiedlich langen Kursen werden Jugendliche aus ärmsten Verhältnissen zur Schneiderin, zur Frisörin, zum Schlosser, zum Mechaniker, zur Hauswirtschafterin ausgebildet. Beste Beispiele für eine Hilfe zur Selbsthilfe. 

Simone de Beauvoir gibt einmal zu bedenken: Überleben ist nicht Leben. Die äthiopischen YMCA beherzigen auch dies und bieten einen bunten Strauß an kultureller bzw. identitätsstiftender Jugendarbeit mit Musik-, Tanz- oder Sportgruppen, die eben Gemeinschaft, soziale und kommunikative Kompetenzen fördern. Auch hier können Dereje, Mascha, Mulugeta, oder wie sonst die Kinder und Jugendlichen heißen mögen, spüren: ICH bin. Ich bin weit mehr als meine materielle Existenz. Ich bin von Gott begabt und unendlich geliebt.

Ich bin in zwei Wochen auf unzählige beeindruckende Lebensspuren in Äthiopien gestoßen, die nicht zuletzt durch Weltdienst-Spenden aus Deutschland ermöglicht werden. Auch durch Ihre. 

 

Steffen Kaupp, Pfarrer und ejw-Projektreferent, 

Teilnehmer beim Staff-Training Äthiopien Januar 2014

 

*Name geändert

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