08.08.2017 - Autor: Katharina Merklein, Vikarin, Hospitantin im EJW (Öffentlichkeitsarbeit)

Nachhaltigkeit ist nicht gleich Nachhaltigkeit

Die deutsch-nigerianische Gruppe beim Besuch auf dem Biolandhof (Foto: Katharina Merklein)

Deutsch-nigerianische Gruppe bekommt Einblick in landwirtschaftliche Produktion

„Welche Auswirkung hat es auf die Ernte, wenn ihr auf den Einsatz von Spritzmitteln verzichtet?“, fragt ein Teilnehmer aus der nigerianischen Gruppe.

Am zweiten Tag des deutsch-nigerianischen Austauschs sind wir zu Besuch auf dem Biolandhof Bodemer in Ehningen. Ich begleite die Gruppe einen Morgen. Nachdem uns die Hofherrin verschiedene landwirtschaftliche Geräte gezeigt und erklärt hat, stehen wir nun vor dem Kartoffelacker. Jochen Bodemer, der Landwirt des Bio-Hofes, gräbt ein paar Kartoffeln aus und seine Partnerin erklärt uns in gekonntem Englisch, wie der Anbau funktioniert. Dass auf Spritzmittel gegen Unkraut und den Kartoffelkäfer verzichtet wird. Dass die Kartoffeln dadurch weniger belastet und nährstoffreicher sind. Dass sie diese Art des Anbaus aus Überzeugung betreiben, weil dadurch die Natur geschont wird.

 Ihre Erklärung gibt wieder, was wir gemeinhin in Deutschland unter „Nachhaltigkeit“ verstehen: Umweltverträglichkeit, qualitativ hochwertige Produkte und Ressourcenschonung, und dadurch ein verantwortungsvolles Handeln für die kommenden Generationen.

Mehr als 1 Verständnis von Nachhaltigkeit

Bis jetzt dachte ich, dies wäre das einzig mögliche Verständnis von „Nachhaltigkeit“. Damit bin ich nicht allein. „Gleich nach dem ersten Tag haben wir gemerkt, da treffen völlig unterschiedliche Verständnisse aufeinander“, erzählt mir Elena, eine Teilnehmerin aus der deutschen Gruppe. Nachhaltigkeit aus nigerianischer Perspektive heißt nämlich: Die Produktion muss für alle reichen. Wenn alle versorgt sind, auch auf lange Sicht, dann ist die Produktion nachhaltig.

Die Hofherrin erklärt, dass die Erträge gut sind. Dass diese Art des Wirtschaftens von der EU subventioniert wird. Und die Produkte für die Käufer teurer sind, viele Menschen hier aber bereit sind, diesen Preis zu zahlen, weil für sie das Verhältnis vom Wert zur Ware stimmt.

Ob die Antwort die Gäste überzeugt?

Blick des anderen eröffnet Diskurs

Am Abend werden Eindrücke und Überlegungen ausgetauscht. Da wäre ich gerne dabei. Denn ich merke, wie mich schon die kurze Begegnung mit der Gruppe zum Nachdenken bringt. Ob diese Art der Produktion auch ohne Subventionen funktionierten würde? Ob man sich diese Art der Nachhaltigkeit leisten können muss? Viele Fragen tun sich auf.

Sicher ist: Der Diskurs um nachhaltigen Konsum ist mehr als eröffnet.

 

Hintergrund:

Regionales Sommerprojekt setzt Nachhaltigkeitsziel der Agenda 2030 lokal um
Vom 2. bis 21. August 2017 treffen sich junge Erwachsene aus dem Norden Nigerias und aus dem Großraum Stuttgart, um gemeinsam zu erarbeiten, was nachhaltiger Konsum und Produktion bedeuten kann. Organisiert und geleitet wird der Austausch von Mitarbeitern des EJW-Weltdienstes, einem Arbeitsbereich des Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW), zusammen mit der Northern Zone of YMCA of Nigeria, zu der seit 50 Jahren eine Partnerschaft besteht. Gastgeber ist der CVJM Sindelfingen mit der evangelischen Martinskirchengemeinde.

Begegnungsmöglichkeiten mit der Gruppe aus Nigeria bestehen beim Sommerkino des CJVM Kusterdingen
am Mittwoch, 9. August 2017:
Sommerkino CVJM Kusterdingen

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