14.08.2017 - Autor: Katharina Merklein, Vikarin, Hospitantin im EJW (Öffentlichkeitsarbeit)

Recycling als höchstes Ziel von Nachhaltigkeit?

Besuch auf dem Wertstoffhof in Böblingen (Foto: Katharina Merklein)

Deutsch-nigerianische Gruppe besucht Wertstoffhof in Böblingen

„Was ist dein erster Eindruck von Deutschland?“, habe ich Sam, einen der nigerianischen Teilnehmer letzte Woche gefragt. Wie viele in der Gruppe antwortete er mir: „Alles ist so ordentlich und sauber“.

An diesem Tag macht sich die Gruppe auf, um zu erfahren, was hinter dieser äußeren Ordnung steckt, und was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Ich begleite die Gruppe ein weiteres Mal, es geht zum Wertstoffhof in Böblingen.

Ein komplexes System
Viele verschiedene Container erwarten uns da. Und eine kompetente Dame vom Abfallwirtschaftsamt, die uns das komplexe System erklärt. So erfahren wir, dass manche Arten von Plastik gut zu neuem Plastik recycelt werden können – andere aber nicht. Oder, dass Glas ein super Recyclingmaterial ist – Eierkartons aber nicht in die Papiertonne gehören. Zumindest in Böblingen. Denn das macht das System noch komplizierter: Jeder Landkreis regelt seine Müllentsorgung anders. Die Besonderheit in Böblingen ist, dass man dort zunächst nur für die Abholung von Rest- und Biomüll bezahlt. Viele andere Arten von Müll können kostenlos am Wertstoffhof abgegeben werden. Und so wuselt es kurz nach unserer Ankunft von Menschen und Autos, die den Wertstoffhof anfahren. Recycling ist, wie eine nigerianische Teilnehmerin am Abend festhält, Teamarbeit zwischen Einzelpersonen und einer Organisation bzw. Regierung.

Ein klasse System?

Einerseits auf jeden Fall. Positive Auswirkungen, die die Gruppe am Abend herausarbeitet, sind die saubere Umwelt durch die Müllentsorgung oder die Jobs, die hinter dem System stecken. Andererseits wird auch klar: Recycling ist in Deutschland nicht nur durch ein grünes Herz motiviert. Dahinter steht vielmehr eine ganze Industrie, die daran verdient. Und deren Ziel ist an erster Stelle, so vermutet es die Gruppe, nicht unbedingt die Nachhaltigkeit.

Denn unsere Gäste sehen Dinge im Container landen, die in Nigeria kein Müll wären. „Bei euch wird so viel weggeschmissen, was noch gut ist. Das ist nicht nachhaltig.“ Hier liegt das eigentliche Problem: die Menge unseres westlichen Konsums. Denn während wir in Deutschland das ausgeklügeltere Recyclingsystem haben, recyceln Menschen in Nigeria „ohne zu wissen, dass sie es tun“, erzählt Christina aus Nigeria. Dinge werden dort wiederverwendet, weil man sie braucht. So wird die Plastikflasche schnell zum Blumentopf. Andere Materialien wie Aluminiumteilchen werden verkauft - hier läuft der Geldfluss andersherum als in Deutschland.

Höchstes Ziel ist maximale Nutzung der Dinge

Nachhaltig Recyceln, so erarbeitet es die Gruppe darum am Abend, kann darum nicht heißen, nur ein hoch technologisiertes Müllsystem zu haben. Sondern es muss heißen, Dinge maximal zu nutzen. Denn sonst ist „Afrika die Mülldeponie der Welt“, stellt Lucky aus Nigeria fest.

Besser spenden statt wegwerfen!

Ein Ansatz, der darum den Teilnehmern aus beiden Ländern gut gefällt, ist die Möbelhalle „femos“, direkt neben dem Wertstoffhof. Hier werden Möbel, aber auch andere Gegenstände aus Haushaltsauflösungen oder Einzelspenden verkauft. Gute Qualität findet so einen neuen Nutzen zu einem kleinen Preis.

Und während die Männer der Gruppe noch fleißig interessiert Fragen stellen, um das Geschäft zu verstehen, erkunden die Frauen der Gruppe „femos“ auf ihre eigene Weise: Sie gehen mit großer Freude shoppen!

 

Hintergrund:

Regionales Sommerprojekt setzt Nachhaltigkeitsziel der Agenda 2030 lokal um
Vom 2. bis 21. August 2017 treffen sich junge Erwachsene aus dem Norden Nigerias und aus dem Großraum Stuttgart, um gemeinsam zu erarbeiten, was nachhaltiger Konsum und Produktion bedeuten kann. Organisiert und geleitet wird der Austausch von Mitarbeitern des EJW-Weltdienstes, einem Arbeitsbereich des Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW), zusammen mit der Northern Zone of YMCA of Nigeria, zu der seit 50 Jahren eine Partnerschaft besteht. Gastgeber ist der CVJM Sindelfingen mit der evangelischen Martinskirchengemeinde.

Inzwischen ist die Gruppe aus Nigeria weitergereist nach Wittenberg und nimmt bis zum 20. August am YMCA-Refo-Camp teil, einer internationalen Jugendbegegnung zwischen Freunden aus Partnerländern, Geflüchteten und Einheimischen.

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