16.11.2017 - Autor: Valerian Grupp (VG) / Ursula Hettinger (UH) / Daniela Salzer (DS)

Unterwegs im Sudan

Mit den Freunden im YMCA Port Sudan

Tagebuch eine EJW-Weltdienst-Projektreise

Vom 15. bis 28. November 2017 sind EJW-Weltdienst-Referent Valerian Grupp und die beiden Sudan-Länderausschuss-Mitglieder Ursula Hettinger und Daniela Salzer auf Projektreise im Sudan.
In kurzen Tagebuchnotizen berichten sie von den Eindrücken und Begegnungen ihrer Reise.

 

 

Sonntag, 26.11.2017 - Es geht Richtung Heimat

Die Nacht war gut, zwar wieder in einem Hotelzimmer, dafür aber mit fließendem Wasser! Wir lassen uns von den YMCAlern zum sonntäglichen Gottesdienst mit Abendmahl einladen. Beim Friedensgruß umarmen wir uns herzlich, den Männern auf den gegenüberliegenden Bänken winken wir fröhlich zu. Der Keks statt Oblate schmeckt süß.

Der letzte Kaffee ist kurz: Richard von IAS informiert, dass HAC uns noch einmal sehen möchte vor dem Abflug?!?!?! Herzklopfen, gestern ging doch eigentlich alles gut! Kleine Entwarnung: Die verantwortliche Mitarbeiterin bei HAC hat das Büro verlassen, aber eine Nachricht für uns hinterlassen. Gespannt wie ein Flitzebogen sind wir. - Als Dankeschön für unser EJW-Engagement und der super tolle Umsetzung durch unsere Partner bei IAS liegen da 2 Muschelketten und Armbänder als Geschenk für uns. Wow, da kommen uns fast die Tränen. Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung, besonders für IAS! Ein wundervoller Augenblick, der Abschied mit Gebet im IAS-Büro kann nicht herzlicher sein. - Mit Geschenken und Reiseproviant bepackt werden wir zum Flughafen gebracht und treten erfüllt die Heimreise Richtung Khartoum an. (UH)

 

Samstag, 25.11.2017 - Eine echte Ermutigung

"Halleluja" dringt es laut aus der Kirche - die Fenster und Türen sind offen, drinnen gibt es arabischen Lobpreis unterstützt von einem E-Piano. Wir treffen uns mit den Leuten aus dem YMCA in der episkopalen Kirche zum Gebet füreinander. Ein offizielles Treffen mit dem YMCA wäre schwierig.

Ein Gebetstreffen ist jedoch kein Problem. Und so erleben wir einen lebendigen und aktiven YMCA, dessen Mitglieder sich von den äußeren Umständen wenig beeindrucken lassen. Sie würden gerne inhaltliche Angebote machen. Als YMCA ist ihnen jedoch nur soziale Arbeit erlaubt. Die Lösung? Ist leider nichts fürs Internet - aber wir erzählen es gerne im Gespräch! Wir freuen uns, wenn wir eingeladen werden!

Wir sind beeindruckt von der Kreativität, der Weisheit und der Überzeugung, auch gegen Widerstände an Gottes Reich zu bauen. Für uns ist der YMCA Port Sudan eine echte Ermutigung, uns nicht von den Umständen abhalten zu lassen, unseren Glauben im Alltag umzusetzen.  (VG)

 

Freitag, 24.11. auf Samstag, 25.11.2017 - Schlafen unterm Sternenzelt

Morgens Magenverstimmung und Übelkeit. Wir steigen ins Auto und verbringen den Tag zum Großteil mehr oder weniger komfortabel auf der Straße durch die Wüste (siehe Bericht unten). Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir im IAS-Haus in Durdeb an. Eine Kleinstadt aus einfachsten Lehmhäusern. Hier haben Frauen und Männer getrennte Bereiche, nur durch ein Fenster verbunden. Strom gibt es zwischen 18 und 21 Uhr. Wir bekommen ein einfaches Abendessen aus Brot, Linsen, Ei und Tomaten serviert und unterhalten uns noch etwas mit den Mitarbeitern vor Ort. Dann werden die Betten aus den Räumen nach draußen getragen und schnell noch eine Konstruktion fürs Moskitonetz erfunden. Zähneputzen am Wasserfass, man darf hier einfach auf den Boden spucken. Dann schnell unter die Wolldecke schlüpfen und - zack - ist die Stromversorgung aus. Rundrum ist keine Lichtquelle mehr und so erstreckt sich über uns ein überwältigender Sternenhimmel.  Wer will da schon die Brille ausziehen und die Augen zu machen? So genießen wir eine behütete Nacht mitten in der Wüste und staunen über dieses traumhafte Zelt, das sich da über uns spannt. Jedes Mal wenn man aufwacht ist der Orion (auch ohne Brille erkennbar) ein Stück weiter über den Himmel gewandert. Jetzt aber schnell weiterschlafen, denn morgen früh um halb 6 geht’s wieder los.  (DS)

 

 

Freitag, 24.11.2017 - Wasser in der Wüste

Sand, Steine, Sand, Felsen, Sand und immer wieder Sand. Schon vor Stunden haben wir Port Sudan hinter uns gelassen. Wir sitzen zu 8 ein einem Toyota von IAS, 6 von uns auf einer Pritsche im Kofferraum. Auf dem Boden stehen einige Pakete mit Wasserflaschen. Es ist gar nicht so einfach, dazwischen Platz für die Füße zu finden. Die Klimaanlage bewahrt uns vor den "kühlen" 35°C. Im Sommer überspringt das Thermometer häufig die 50°C Marke. Immer wieder sehen wir Ziegen und Kamele, mal einzeln mal in Gruppen. Zwischen Akazien stehen vereinzelt Hütten. Am Nachmittag verlassen wir die Straße und biegen auf eine Sandpiste ab. Eine weitere Stunde geht es über Geröll und weichen Sand tiefer hinein in die Wüste. Unvorstellbar, dass hier Menschen leben.

Unvermittelt tauchen vor uns einige Männer in den typischen weißen Gewändern auf, samt einigen Eseln. Dazwischen entdecken wir eine unscheinbare Handpumpe. Wasser in der Wüste! Ein paar Pumpenhübe genügen und aus 38m Tiefe sprudelt das kostbare Nass.

Die Männer erzählen uns, dass sie früher 12 Stunden mit Eseln und Kamelen unterwegs waren, um Wasser für sich und ihre Familien zu holen. Wir reden noch eine Weile. Währenddessen wird das Wasser in alte LKW-Schläuchen gefüllt und auf die Esel geladen. Dann machen sie sich wieder auf, um ihren Familien das Wasser zu bringen. Und wir treten den Rückweg zur Straße an. (VG)

 

Dienstag, 21.11.2017 -  Ä-Ö-Ü -  Phonetik für Muttersprachler

Nach einem Tag ohne offizielle Termine mit Sightseeing, arabischem Suk und einer Bootsfahrt auf dem Nil  sind wir abends zur Chorprobe des YMCA-Chores eingeladen. Die etwa 15 jungen Leute singen gerne auf verschiedenen Sprachen und heute sollen die deutschen Texte (z.B. "Hab Dank von Herzen Herr" oder "Über alle Welt") trainiert werden.

Ä, Ö und Ü, ich und doch  - da wünschen wir uns zwischendurch Logopädie-Kenntnisse, um die Entstehung der Laute erklären zu können. Ein Z ist immer ein Zischlaut, und überhaupt gibt es viele harte Konsonanten. Und dann so viele aneinander gereiht ("Du sprichst"). Da werden die Liedtexte schnell mal durch arabische Lautschrift ergänzt. Langsam gesprochen geht’s ja ganz gut. Aber in der Melodie sind manche Passagen dann schnell und werden damit zu Zungenbrechern ("In ihm spricht der Schwache ich bin reich"). Respekt, wie gut das am Ende klingt. Und fürs weitere Üben sind unsere Stimmen im Handy aufgenommen, außerdem gibt es ja zum Glück auch noch Youtube. Zur Belohnung gibt es anschließend noch Muffins und Tee, die Stimmung ist gut. Einen Vers haben wir im Gegenzug auf Arabisch versucht zu lernen. Fazit: für deutsche Zungen unaussprechbar. Da sind Laute drin, die können wir nicht erzeugen ;) (DS)

 

Montag, 20.11.2017 - Zeitmanagement und Terminplanungen

Beim letzten Besuch der sudanesischen Gruppe in Deutschland im Sommer 2017 haben die jungen Leute einerseits das deutsche Zeitmanagement bewundert, waren aber andererseits erschöpft von dem von uns zusammengestellten Programm. Sie versprachen uns lachend, sich zu revanchieren und uns komplett einzutakten, wenn wir im Herbst kämen, wir würden keine Viertelstunde Pause haben.

Für uns Deutsche ist die hier erforderliche Flexibilität und Unplanbarkeit manchmal ebenso anstrengend. In der Vorbereitung haben wir versucht, einen Zeitplan für die Reise zu erstellen, aber der einzige Termin, der im Vorfeld schon fest vereinbart war, war das Treffen mit dem deutschen Botschafter. Alles andere bleibt bis kurz vorher ziemlich offen und wird spontan verabredet, verschoben oder angepasst. Beim Frühstück heute Morgen wissen wir noch nicht, ob wir heute Nachmittag die Reisegenehmigung vorliegen haben und nach Port Sudan fliegen können. Auch sonst steht im Programm noch nichts wirklich fest für die nächsten Tage. Aber der gestrige Tag lief genau so ab, wie wir ihn geplant hatten. (DS)

 

Sonntag, 19.11.2017 - Das sudanesische Herz

Heute stand der Besuch bei der deutschen Botschaft auf dem Programm. Die aktuellen politischen Entscheidungen haben hier große Auswirkungen. Die praktische Umsetzung des Familiennachzugs für Flüchtlinge machen der Botschaft zu schaffen. Insbesondere die Identifikation der Personen ist herausfordernd. Schön für uns: Der Botschafter setzt sich gerne wieder für den Besuch von unseren Freunden ein - wie schon beim internationalen YMCA Camp im Sommer.

Für den Rückweg wollen wir ein Taxi nehmen und machen uns auf den Weg zur Hauptstraße. Nach ein paar Metern hält ein Auto mit einem jungen Mann neben uns, der fragt, wo wir hin wollen. Wir nennen ihm den Stadtteil und fragen, wie viel er haben will. "Nein, nein" meint er, "ihr müsst nichts zahlen". Er heißt Osman und arbeitet für eine Firma, die Agrarprodukte exportiert.  In der halben Stunde bis zu unserem Hotel zeigt uns die guten Restaurants auf dem Weg, beschwert sich über die einseitige Berichterstattung in den Medien über sein Land und bietet uns an, falls wir irgendwo hinwollen, sollen wir uns melden.
So werden wir zu Botschaftern der sudanesischen Herzlichkeit. (VG)

 

 

Samstag, 18.11.2017 - Aushalten

Heute Morgen geht es nach Gabarona, für unseren Hauptamtlichen das erste Mal! Fast eine Stunde benötigen wir, um durch den dichten Verkehr zur Schule zu gelangen. Frisch hochgezogene Mauern, die nunmehr massiven Regenfällen trotzen können, umgeben die Anlage. Rund 400 Kinder aus dem Flüchtlingsviertel sitzen dicht gedrängt unter den schattenspendenden Strohdächern und begrüßen uns mit Liedern. Dr. Wageeh hat Milchportionen und Moskitonetze zum Verteilen mitgebracht. Die roten Netze sind beliebter als die blauen - sogar bei den Jungs!  Die anwesenden Lehrer beeindrucken durch ihre energische und gleichzeitig liebenswürdige Art der Kinderbetreuung.

Abends sind wir zum Kontrastprogramm eingeladen. Unser Geburtstagskind Daniela wird von unseren Partnern in die "Süßeste Versuchung Sudans" entführt, eine syrische Garten-Konditorei mit Eiscreme, Torten, Kuchen, arabischen Leckereien - und wasserzerstäubenden Ventilatoren für das Wohl der Gäste. Aushalten: den Kontrast und die Kalorien. (UH)

 

Freitag, 17.11.2017 - Wasser

Am Morgen treffen wir Leif Zeterlund im Büro von IAS. Trotz seines fortgeschrittenen Alters, spürt man ihm Schaffensfreude ab. Vor 26 Jahren hat er IAS  (International Aid Service) gegründet, um Menschen im Sudan und Südsudan mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und Christen zu unterstützten. Bereits vor der Gründung von IAS hat der EJW-Weltdienst mit Leif zusammengearbeitet.

Wir reden über die Bohrlöcher und Gemeinden. In einem Gebiet im Süden kann durch den Krieg im Südsudan kein Bohr-Team hinschicken. Statt dessen schlägt er uns ein anderes Gebiet vor, in dem zur Zeit Waffenruhe herrscht. Er ist dankbar für unseren Einsatz, weil IAS dadurch in Gebieten bohren kann, wo sonst kaum ein anderer aktiv ist. Wir reden auch über die Situation von den Menschen im Südsudan und besprechen die Details zur Nothilfe Südsudan. (VG)

 

Weitere Informationen:
Projekt Sauberes Wasser und Brunnenbohrungen

 

Donnerstag, 16.11.2017 - Zeit ist relativ

"Wir kommen zwischen 5 und 6, vielleicht um 7, wenn wir bis um 8 nicht da sind, wartet einfach bis um 9". Ganz so unpünktlich sind wir zwar nicht unterwegs, aber zum Treffen mit einer Frauengruppe im YMCA im Flüchtlingscamp Gabarona kommen wir trotzdem zu spät.

Viele der Frauen haben keine Schule besucht und mussten ihren Alltag bestreiten, ohne zu verstehen, was auf Produkten oder Schildern oder Zetteln steht. Heute geht ein 10-Wochen-Kurs zu Ende. Jeden Donnerstag haben sie sich Abends getroffen, um Lesen zu lernen. "Ich bewundere die Frauen. Sie nehmen sich neben Familie und Alltag zusätzlich Zeit, um ihre Situation und die ihrer Kinder zu verbessern."
Dafür drücken sie auch als Erwachsene die Schulbank. Zeit ist relativ.

 

 

Mittwoch, 15.11.2017

20:30 Uhr Istanbul Flughafen. Wir drei sitzen im Transferbereich und warten auf den Anschlussflug nach Khartoum.  Heute morgen sind wir bei Temperaturen um den Nullpunkt von zu Hause los, in Khartoum erwarten uns in ein paar Stunden etwa 38°C. Die bisherige Reise hat super geklappt und die Vorfreude auf die 12 Tage im Sudan steigt. Wir sind sehr gespannt auf die Begegnungen vor Ort: Alte Freunde wieder sehen, mit denen schon seit Jahren Kontakt besteht, neue Mitglieder und die Vorstandsgremien der YMCAs kennenlernen; die Schulen in Gabarona und En Gaz besuchen,

Wie hat sich die Arbeit vor Ort entwickelt? Wann bekommen wir die Reisegenehmigung für Port Sudan, sodass wir auch den YMCA dort besuchen können? Einige Fragen sind noch offen. Aber mit der vorhandenen Afrika-Erfahrung haben wir genügend Flexibilität für spontane Plananpassungen. Neben den Projekten vor Ort wollen wir auch kulturell interessante Orte wie die Pyramiden von Meroe besuchen, um so auch etwas vom Land sehen. Vielleicht ist auch baden und schnorcheln im Roten Meer drin? (DS)

 

Weitere Informationen zu den Projekten im Sudan:
www.ejw-weltdienst.de/laender-und-projekte/sudan/

Spendenkonto:
Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
EJW-Weltdienst
Evangelische Bank (EB)
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Projekt-Nr. SUD100 Sudan

 

 

 

 

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