19.03.2020 - Mechthild Belz (Redaktion)

Aktionen für weltweite Nächstenliebe

Beim Workshop wurden gemeinsam Ideen für Aktionen zum Lieferkettengesetz gesucht (Foto: Sophia Henninger)

EJW-Weltdienst beteiligt sich am Aktionswochenende für faire Lieferketten

In Südafrika forderten 2012 Arbeiterinnen und Arbeiter einer Platin-Mine bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Ihr Streik wurde brutal von der Polizei niedergeschlagen. 34 Menschen wurden erschossen. Hauptkunde des Minenbetreibers war damals BASF. Der deutsche Chemiekonzern verwendet das Platin, um Katalysatoren für die Autoindustrie zu beschichten. Als wichtigster Abnehmer hätte BASF eine Verpflichtung gehabt, die menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort zu skandalisieren und Veränderungen zu bewirken. Diese Verpflichtung ist in Deutschland jedoch nicht in einem Gesetz festgeschrieben, stattdessen plädiert die Bundesregierung auf die Freiwilligkeit der Unternehmen. Ein Gesetz, das Menschenrechte und Umweltschutz in der Produktionskette nicht dem guten Willen von Unternehmen überlässt, fordert nun ein starkes zivilgesellschaftliches Bündnis.

Aktionen für die Öffentlichkeit

Vom 6. bis zum 7. März versammelten sich deshalb junge Menschen in Heilbronn, um zu überlegen wie sich die Forderung nach einem Lieferkettengesetz in die Welt und auf die Straße tragen lässt. Denn, wie in dem Vortrag von Uwe Kleinert (Werkstatt Ökonomie) klar wurde, ist jetzt der politische Moment dazu. Nach ausgiebigem inhaltlichen und methodischen Input starteten die Jugendlichen am Samstagnachmittag damit, sich aktiv zu überlegen, wie eine Umsetzung von Aktionen aussehen könnte. Während sich die eine Gruppe damit befassten, Vorlagen für Mails und Briefe an Schulen zu schreiben, beschäftigte sich eine weitere damit, was ein gutes Aktionsbild ist und welche Ziele eine Aktion in der Öffentlichkeit verfolgen muss. Eine weitere Gruppe legte direkt los und machte auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der Produktion von H&M aufmerksam. Input darüber, wie eine gelungene Aktion aussehen könnte, gab es am Vormittag in Workshops zu AdBusting, Aktionen im öffentlichen Raum und zum Hand Print Konzept.

Allen gemeinsam war die Überzeugung, dass es für echte Veränderungen nicht nur auf individuelle Entscheidungen ankommen kann. Denn natürlich ist faire Schokolade besser als nicht-faire, aber warum ist die nicht-faire das Standardprodukt, während die faire Schokolade gekennzeichnet ist? Könnte es nicht anders herum sein? Diesen Gedanken formulierte Marie Heitfeld (Germanwatch), indem sie uns das Konzept des Hand Print vorstellte. Darin geht es nicht primär darum, den individuellen Fußabdruck durch bewussten Konsum zu verkleinern, sondern darum, Gestaltungsräume zu nutzen, um die Strukturen, in denen individuelles Handeln stattfindet, zu verändern.

Denn die Entscheidung ob Menschenrechte und Umweltschutzstandards eingehalten werden, ist keine, die der Freiwilligkeit von Unternehmen überlassen werden kann. Und auch keine, die sich auf das Individuum zwischen H&M und Weltladen abladen lässt.

Mehr Infos zu der bundesweiten Initiative Lieferkettengesetz und zu dem oben genannten Beispiel:
https://lieferkettengesetz.de/fallbeispiel/tote-arbeiterinnen-in-der-marikana-mine/

Marina Blum, BUNDjugend Baden-Württemberg

 

Hintergrund:

 

Deutsche Unternehmen beziehen Rohstoffe, Zwischen-und Endprodukte, und verarbeitete Produkte aus der ganzen Welt. Sie betreiben Produktions-und Vertriebsstätten im Ausland und exportieren ihre Güter in andere Weltregionen. Sie investieren weltweit in Großprojekte und bieten ihre Dienstleistungen auf dem globalen Markt an. Dabei sind Menschenrechtsverstöße in vielen Branchen keine Ausnahme: In der Herstellung unserer Kleidung etwa sind Brand-und Einsturzkatastrophen in Textilfabriken nur die Spitze des Eisbergs. Ausbeuterische Arbeitsbedingungen gehören zum Alltag. Für die Gewinnung von Rohstoffen für unsere Autos oder Elektrogeräte werden Lebensgrundlagen zerstört. Der enorme Wasserverbrauch durch den Abbau führt zu ausgetrockneten Brunnen und giftige Rückstände verpesten die Umwelt. Auf Kakao-und Palmölplantagen arbeiten Kinder unter schwersten Bedingungen.

Die Initiative Lieferkettengesetz ist ein Zusammenschluss zahlreicher Organisationen mit einem gemeinsamen Ziel. Sie treten ein für eine Welt, in der Unternehmen Menschenrechte achten und Umweltzerstörung vermeiden – und zwar weltweit.  Unternehmen, die durch ihre Wirschaftsweise Schäden an Mensch und Umwelt verursachen oder in Kauf nehmen, sollen dafür haften.

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