19.10.2019 - Valerian Grupp

Begegnungen in Äthiopien

Eindrücke aus Äthiopien (Fotos: F. Lutz, H. Metzger, V. Grupp)

Tagebuchnotizen einer Projektreise

Vom 18. -  26. Oktober 2019 ist eine Delegation des EJW-Weltdienstes auf Projektreise in Äthiopien. EJW-Landesreferent Valerian Grupp sowie Harald Metzger und Frank Lutz vom Länderausschuss Äthiopien besuchen den YMCA Nationalverband in Addis Abeba und weitere YMCAs in Mekele und Bahir Dar.
In kurzen Tagebuchnotizen berichten sie von den Eindrücken und Begegnungen ihrer Reise.

 

25. Oktober 2019 - Schnelle Hilfe für 120 Familien

Ein verheerendes Feuer in der Innenstadt hat im Frühjahr 120 Familien in Bahir Dar im Norden Äthiopiens ihr Zuhause gekostet. Manche verloren alles, bis auf das, was sie auf dem Leib trugen. Die Stadtverwaltung hat den Familien kurzfristig noch nicht ganz fertige Sozialwohnungen als Notunterkunft bereit gestellt und den Familien ein Stück Land für den Aufbau einer neuen Existenz gegeben. Der YMCA in Bahir Dar hat sich mit Hilfe des EJW-Weltdienstes um die Wasserversorgung gekümmert und Wasserfässer besorgt. Auch Winterkleider wurden gekauft – manche Kinder besaßen nur noch ihren Schlafanzug. „Die schnelle Hilfe des EJW hat den Menschen sehr geholfen und wir haben gute Kontakte zur Stadtverwaltung geknüpft“, sagt Prof. Alemayehu, 1. Vorsitzender des YMCA Bahir Dar. Vielen Dank an alle, die sich an der Nothilfe für Bahir Dar beteiligt haben!

Gestern haben wir euch von Yetnayet und ihrem Vater Haftum erzählt Gemeinsam mit dem YMCA haben wir heute beschlossen, möglichst schnell einen Kindergartenplatz zu finanzieren und so dem Vater wieder Gelegenheit zum Arbeiten zu geben.

Damit geht unsere Reise zu Ende, morgen geht es auf den Flughafen.
Wenn Euch unser Blog gefallen hat, freuen wir uns über Rückmeldungen, Lob und Kritik!

 

24. Oktober 2019 - Behre und Yetnayet

Ein kleiner Pfad führt von der Straße in die Hinterhöfe Bahir Dars. Ein kleines Gelände, fünf Hütten – in einer wohnt Behre*. Behre ist 9 Jahre alt, geht in die zweite Klasse und stellt sich uns auf Englisch vor. Kein Wunder, Englisch ist auch sein Lieblingsfach. In der „Ein-Raum-Wohnung“ wohnt Behre mit Mutter, Großmutter und seinem Bruder. Die monatliche Unterstützung des YMCA hilft der Familie über die Runden. Danach besuchen wir einen alleinerziehenden Vater mit seiner zweijährigen Tochter Yetnayet*. In seiner Hütte finden wir keinen Platz zu sitzen. Vor 9 Monaten hat er seine Frau verloren, seither kümmert er sich alleine um sein Töchterchen. Den älteren Sohn musste er zu einem Freund geben, da er nicht für ihn sorgen konnte. Leider hat er keine Möglichkeit für eine Betreuung der Tochter und kann deshalb nicht arbeiten. Dass er so schlecht für seine Familie sorgen kann, macht ihm sichtlich zu schaffen. Zum Schluss des Besuches fasst Yetnayet Vertrauen und schenkt uns ein schüchternes Lächeln. Morgen werden wir mit dem YMCA besprechen, ob und wie wir gemeinsam den Familien helfen können.

*Namen geändert

  

23. Oktober 2019 – Mal kurz zum YMCA Bahir Dar

Heute ist ein Reisetag. Unser Ziel – der YMCA Bahir Dar. Der Alula Aba Nega Airport liegt 15 Minuten außerhalb von Mekelle. Vor dem Flug stehen uns die äthiopischen Sicherheitskontrollen bevor: Passkontrolle vor dem Sicherheitsbereich, Ticketkontrolle vor dem Betreten des Abfluggebäudes, Durchleuchten von Mensch und Koffer beim Betreten des Gebäudes, Einchecken und vor dem Gate nochmal Personen- und Handgepäckkontrolle – immer verbunden mit Schuhe an-aus, Gürtel weg, Hosentaschen leeren, ach ja Uhr und Handy, Laptop auspacken,… Gut, dass der Flughafen nicht überfüllt ist. Unser Flugzeug – das einzige auf dem ganzen Flugplatz – steht auch schon bereit. Zum Flieger geht es dann zu Fuß. Unser Flug geht wie so vieles in Äthiopien über Addis Abeba, wir haben nur 35 Minuten zum Transfer – ach ja mit Sicherheitskontrolle – und steigen als letzte in den Flieger, der direkt neben unserem alten steht, das wäre also auch einfacher gegangen. Aber alles mit der wohltuenden äthiopischen Gelassenheit – tschigerillem.

Über den Lake Tana schweben wir in Bahir Dar ein und verbringen die zwei Stunden bis zum Treffen mit dem YMCA am See – eine Reise die sich schon hierfür gelohnt hat.

 

22. Oktober 2019 - Guter Boden für die Artisten

Fast 2 Stunden dauert das Programm, das die Artisten, Sänger, Musiker und Schauspieler aus dem YMCA uns vorführen. Dieser YMCA ist so lebendig, wie das Programm: Neben der Zirkus-, Musik-, Theatergruppe sammeln die YMCAer Geld und Sachspenden für Straßenkinder und blinde Studentinnen an der Uni. Die Mauer und das Dach, das als Aufgabe für das Workcamp angedacht war, ist bereits im Rohbau fertig. Trotzdem wird er schon genutzt. Als Unterlage nutzen die Tuner alte Banner aus LKW-Plane. „Wir brauchen viel Pflaster“ sagt Amanuel, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter. Und was machen wir beim Workcamp? Ein glatter Boden soll her. Die Fliesen haben sie schon von einem Bauunternehmer gespendet bekommen.

 

 

 

21. Oktober 2019 - Lecker Pizza!

Die Äthiopier feiern den historischen Sieg über die Italiener, kulinarisch haben sie jedoch ihre Spuren hinterlassen: Überall gibt es Pasta, Prosciutto und Pizza. Auch im CCA . Obwohl eigentlich gerade noch Herbst-Pause ist, wird in der Schulküche geschnippelt, geknetet und gebacken. Vier junge Frauen lernen unter der Anleitung einer Ausbilderin die Grundlagen des Kochens und Backens. Gerade zum richtigen Zeitpunkt schauen wir vorbei: Die „Special Pizza“ ist fertig. Lecker!!!

 

 

20. Oktober 2019 - Welcome statt Wachtürme

In vielen Ländern sind Regierungen sehr empfindlich, wenn man in der Nähe offizieller Gebäude eine Kamera zückt. Bis vor kurzem war das auch am Regierungssitz des Premierministers in Äthiopien so. Über dem Zaun, der das Gelände umgibt, schwebt ein Wachturm, auf dem Soldaten mit Gewehren dafür sorgten, jegliche Gefahr zu erkennen und abzuwehren, inklusive Fotos.

Der jetzige Premierminister Abiy geht einen anderen Weg. Er hat das Gelände zu einem „Park der Einheit“ umgebaut, in dem alle Regionen und die Geschichte Äthiopiens vorgestellt werden. Er bringt zum Ausdruck: „Wir gehören zusammen!“ Ein mutiges Zeichen in einer Zeit, in der die Autonomiebestrebungen der Regionen so groß sind, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

 

19. Oktober 2019 - Powerfrauen

Der Tod des Ehemanns, die Diagnose HIV +, ein halbes Jahr Gefängnis: An Schicksalsschlägen haben die Frauen einiges zu verkraften. Wir sitzen im YMCA in Addis und sie erzählen von ihrem Leben und ihren jetzigen Lebensverhältnissen. Die drei gehören zu einer Gruppe von 10 Frauen, die sich für ein Pilot-Projekt des YMCA gemeldet haben. Trotz der schwierigen Bedingungen haben sie sich entschlossen ein Ein-Frau-Unternehmen zu gründen. Unterstützung bekommen sie dabei durch den YMCA und EJW in Form von Schulungen und einem Startkapital. Der Rückhalt in der Gruppe bedeutet ihnen viel. Beeindruckend ist der Mut und die Kraft der Frauen, die trotz ihrer schwierigen Umstände ihr Leben in die Hand nehmen und ihre Situation verändern wollen.

 

18. Oktober 2019 - Touchdown bei Sonnenaufgang

Die ersten Sonnenstrahlen tauchen den „roten Kontinent“ unter uns in wirklich rotes Licht. Die Maschine setzt mit einem ordentlichen Ruckeln auf und wir stürzen uns ins Getümmel des Flughafens in Addis Abebea: Einreise, Koffer, Zoll und einige Euros in äthiopische Birr tauschen.

Vor dem Flughafen werden Harald Metzger, Frank Lutz und ich von Mitarbeitern des YMCA herzlich willkommen geheißen. Die nächsten 9 Tage sind wir mit dem YMCA Äthiopien an drei Stationen unterwegs: Neben einigen Gesprächen in Addis, steht die Vorbereitung des Workcamps in Mekele und der Besuch im YMCA Bahir Dar auf dem Programm.

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