19.10.2021 - Interview: Stefan Hoffmann

Millionen Dollar, Fußball und der YMCA

David Faith Allu ist Vorsitzender der Northern Zone der YMCA in Nigeria (Foto: YMCA Northern Zone)

Ein Interview mit David Allu vom YMCA Northern Zone Nigeria

Seit ungefähr 5 Jahren ist David Faith Allu Vorsitzender der Northern Zone der YMCA in Nigeria. Der 53-jährige Vater von drei Kindern hat Landwirtschaft studiert und einen Master in "development studies". Er ist begeistert von NGO-Arbeit, hat einen eigenen Fußball-Club und ein 250 Millionen Dollar-Programm der Vereinten Nationen umgesetzt. Was ihn am YMCA begeistert und wie er die Partnerschaft zum EJW sieht, verrät er in einem Interview, das am 27. Juli per Zoom geführt wurde.

 

David wie kommt man dazu ein 250 Millionen Dollar Programm umzusetzen?

Nach meinem Abschluss in Landwirtschaft habe ich 1998 eine eigene kleine NGO (Nichtregierungsorganisation) mit Freunden gegründet. Sie hieß AGAPE Lafia und zielte auf die Förderung von Landwirten und von armen Gemeinden in Nord-Nigeria. 2008 wurde ich von Oxfam Great Britain angefragt, ein 3-Jahres-Programm für kleinbäuerliche Landwirtschaft umzusetzen. Das habe ich dann gemacht und mitten im der Umsetzung des Programms kam die Anfrage des UNDP (United Nations Development Program) für dieses große Projekt. Es ging um die Umsetzung der MDG (Millenium development Goals) in Nigeria im Bereich der Landwirtschaft. Als Projekt-Manager des Programms war es ein unglaublicher Schub für meine Karriere, aber auch keine einfache Zeit. Es waren viele Verhandlungen auf politsicher Ebene, auf UN-Ebene und mit verschiedenen Organisationen in Nigeria nötig, um dieses Programm umzusetzen. Seit der Beendigung des Vertrags bin ich als Berater mit meiner NGO AGAPE selbständig tätig und berate NGOs und verschiedene Organisationen und Programme in der Umsetzung verschiedenster Projekte.

 

Was ist das Besondere am YMCA (CVJM) für Dich?

Jeder Organisation ist einzigartig. Der YMCA hier ist mehr wie eine Familie und hat eine starke christliche Identität. Und er bietet einfach die Möglichkeiten, andere Menschen zu treffen und sich zu entwickeln, was als junger Mensch wichtig ist. Ich war auf der nationalen Jugendkonferenz 1998 in Lagos dabei und wurde dann als Jugenddelegierter zur Generalversammlung aller YMCA in Nigeria geschickt. Das hat mich unglaublich gefördert und war letztlich eine Erfahrung, die half AGAPE zu gründen. Durch den YMCA wurde für mich die Arbeit der NGO in Nigeria erst zugänglich und ich hab erfahren, was es bedeutet, erfüllt zu sein. YMCA ist also für mich eine Plattform, um sich zu entwickeln und zu lernen, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und andere.

Deshalb setze ich mich auch dafür ein, dass in der Jugendarbeit im YMCA das gefördert wird, dass junge Menschen lernen Verantwortung zu übernehmen. In Biliri ist ein Jugendlicher Vereinsvorstand, in anderen YMCA sind junge Menschen Jugendreferenten – wir investieren viel, dass eine junge Generation das System YMCA stärkt. Vor zwei Jahren haben wir dazu ein YMCA-Institut gegründet, das diese Verantwortungsübernahme befördert, indem wir Projektmanagement lehren, aber auch Persönlichkeitsbildung betreiben.

 

Zum Fußball-Club – wie kam es dazu?

Mich hat es einfach berührt, wieviele Talente von jungen Menschen in Nigeria verschwendet werden. Ich unterstütze schon immer Jugendaktivitäten und irgendwann habe ich dann gesehen, dass es einen professionellen Verein braucht, um Talente zu fördern. Der Verein heißt heute Aklosendi International Football Club. Mit viel Geldeinsatz von mir und viele guten Talenten haben wir es dann geschafft, in der National League A zu spielen (äquivalent 2. Bundesliga, aber mit vier Divisionen). Das war unser größter Erfolg. Aber Corona hat dann die Finanzlage schwierig gemacht und wir sind derzeit nicht spielfähig. Immerhin sind zwei meiner Spieler zu einem Probetraining in der Türkei.

 

Zum Schluss noch die Frage: Wie siehst Du die lange Partnerschaft zum EJW-Weltdienst?

Seit 1966 gab es viele Partner in den YMCA in Nigeria. Aber das EJW ist geblieben. Und das hat viel damit zu tun, dass wir uns gegenseitig respektieren. Ich habe nie erlebt, dass das Sprichwort "nach der Pfeife des anderen zu tanzen“ sich durchsetzt. In unserer Gemeinschaft wissen wir voneinander – die verschiedenen Kulturen, aber auch wenn jemand krank ist oder wie es den anderen geht. Der weitere Ankerpunkt ist tatsächlich das C – wir sind eine Gemeinschaft, die an Gott glaubt und die Bibel als Kompass nimmt – wir sind von Christus nicht weggedriftet. Es geht auch immer darum, voneinander und miteinander zu lernen – wie jetzt z.B. die Zoom Reisen, die wir machen. Da ist viel gegenseitige Unterstützung drin.

 

Mehr Informationen zu den Projekten des YMCA in Nigeria:
Projekte Nigeria

 

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