08.12.2022 - Valerian Grupp

Manchmal kommt es anders, als man denkt

Abschluss und Höhepunkt der Südsudan-Reise: Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags mit dem YMCA South Sudan

Ein nachträglicher Reiseblog der Südsudan-Reise

Liebe Südsudanfreundinnen und -freunde!

Manchmal kommt es anders als man denkt! Eigentlich wollten wir euch jeden Tag von unserer Reise berichten. Die Blog-Beiträge haben wir fleißig geschrieben, hatten jedoch keine Möglichkeit sie hochzuladen. Zurück in Deutschland, haben wir das nachgeholt: Unten findet ihr einige Eindrücke der Reise.

Wenn ihr gerne mehr über die Reise erfahren wollt, seid ihr herzlich zu einem öffentlichen Reisebericht nach Walheim eingeladen am 16.12.2022 um 19:00 Uhr im Stephanushaus Walheim.
Wer will, kann den Bericht auch online verfolgen: https://youtu.be/bei7i9Hv7u0

 

Ursula, Martin und Valerian

 

 

Donnerstag, 24.11.2022

Kann man Schokolade als Gastgeschenk in den Südsudan mitnehmen?

Die Koffer sind gepackt und aufgegeben. Mit dabei sind auch 15 Tafeln RitterSport-Schokolade. Ob die schmilzt? Gedacht sind die süßen Quadrate als kleine Gastgeschenke für unsere Partner. Von denen werden wir schon erwartet. Einem Gast wird im Südsudan wie in vielen südlicheren Ländern eine ganz besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht. Einige der Menschen, die wir treffen werden, kennen wir schon, bei anderen sind wir zum ersten Mal zu Gast. Wir können uns jedoch sicher sein, herzlich willkommen geheißen zu werden!

Ob unser Gastgeschenk dann noch genießbar ist? In ein paar Tagen verraten wir euch unsere Tricks – oder brauchen ganz dringend Rezepte für ein Schokofondue!

 

Freitag, 25.11.2022

Das Flugzeug landet pünktlich um 7:25 Uhr in Juba. Schnell die Winterstrümpfe ausgezogen, Pulli und Anorak in den Rucksack gestopft – so verlassen wir den Flieger und laufen bei heller heißer Morgensonne zum WHO Center zum Covid Screening.

Auch die Visa und morgenfüllenden Zoll- und Kofferausgaben ertragen wir - mal mehr mal weniger geduldig. Ein Koffer bleibt verschwunden – vielleicht sehen wir ihn beim Abflug wieder.

Ein Lichtblick: Unser Freund und Partner Francis Moula (Generalsekretär YMCA Südsudan) der uns herzlich und glücklich im Getümmel begrüßt und durchleitet.

Die Projektreise hat begonnen!

 

Samstag, 26.11.2022

Liebe Südsudan-Freundinnen und-Freunde (auch im Südsudan wird sehr viel Wert auf Gender Balancing gelegt!)!

Wir haben nun schon zwei sehr erfüllte Tage in Juba hinter uns bringen dürfen. Nach unserer Ankunft ging es nach kurzer Rast weiter zur „Big Ben Schule“ in Juba mit begeisterten Schülerinnen und Schülern Der YMCA betreibt hier eine „English-Class“ mit 51 Kindern und Jugendlichen. Im Südsudan ist die Unterrichtssprache Englisch. Vor der Landesteilung in Sudan und Südsudan war die Unterrichtssprache Arabisch. Margaret leitet die Klasse zusammen mit zwei anderen Lehrern mit viel Liebe und Hingabe für die Schüler. In einem Jahr lernen sie so viel, dass sie die reguläre Secondary School (ab Klasse 8) besuchen können.

 

 

Montag 28.11.2022

Leckeres Kraut zum Mittagessen

Im 2. Anlauf und mit viel freundlicher Unterstützung gelingt uns heute der Flug nach Yambio, Provinzhauptstadt von Western Equatoria an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. Bäume mit Blättern, so groß wie drei Hände, Cassavapflanzen, Kaffeebüsche, Bananenstauden und Ananas treffen wir an. Der Boden ist rot und fruchtbar. Nach der Regenzeit, die nur vereinzelt zu Überflutungen führt, können die Menschen hier an diesem Ort satt werden. – Wir sind im Gästehaus der anglikanischen Kirche mit Erzbischofs Samuel Peni untergebracht und werden um die Mittagszeit mit den Gaben der Gärten verwöhnt. Neben Ziegenfleisch und Hühnchen, Reis und Cassavawurzeln – gibt es auch gekochtes Kraut. Es erinnert an das heimatliche Filderkraut – und schmeckt uns hier an der Grenze zum Kongo außergewöhnlich gut.

 

Dienstag, 29.11.2022

Zartes Pflänzchen Frieden

Der Südsudan ist vom Krieg geprägt. Nach einem langen Krieg im damaligen Sudan, der drei Jahrzehnte dauerte wurde, das Land 2011 in den Sudan und Südsudan geteilt. Auch im neu gegründeten Südsudan brach 2013 wieder ein Bürgerkrieg aus. Seit 2018 gibt es eine Friedensvereinbarung, dennoch kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen entlang ethnischer Grenzen, oft angeheizt durch politisches Machtkalkül.

Viele Menschen haben genug vom Krieg. Geflüchtete wollen zurück in ihre Heimat, trauen sich jedoch vielfach nicht. Zahlreiche Friedensinitiativen an der Basis setzen sich für ein friedliches Miteinander ein: Der YMCA organisiert Versöhnungstreffen, das „Inter Church Committee“, ein Zusammenschluss christlicher Kirchen, richtet lokale „Peace Committees“ ein, die als Frühwarnsystem bei Konflikten wirken und die „Episcopal Church of South Sudan“ vermittelt erfolgreich in Konflikten. Das zarte Pflänzchen Frieden wird sorgfältig umsorgt und gegossen.

 

Mittwoch, 30.11.2022

Neue Chancen mit Micro-Krediten

Es ist heiß um die Mittagszeit, wir müssen die Morgenstunden nutzen. Wir besuchen Joyce, Victoria und Jennifer auf dem Markt. Die drei haben sich neben weiteren 17 Frauen für einen sogenannten Mikrokredit /Kleinkredit bei der Anglikanischen Kirche beworben, der ihnen die Möglichkeit zu einer Geschäftsgründung erlaubt. Interessante Geschäftsideen und Arbeitskraft haben sie, doch das Startkapital und ein Bankkonto fehlen. 

Die 3 Frauen werden ausgewählt und arbeiten für die kurze Laufzeit von 2 Monaten mit dem ihnen anvertrauten Geld über 100.000 Südsudanesischen Pounds /200 US Dollar, bevor sie diese Summe zurück- und an eine weitere Frau weitergeben. 

Nach einer wichtigen Erst-Schulung zu den Themen Anschaffung, Preisentwicklung, Lagerhaltung und Finanzwesen starten sie mit einem Markstand in Yambio. Wir entdecken das rötliche in Flaschen abgefüllte Palmöl, Zwiebeln und süßes Cassava-Mehl, das fermentiert Hunderte von Insekten anlockt. „Die Leute sparen auf Weihnachten, neue Kleider für die Kinder müssen gekauft werden. Die Geschäfte laufen schleppender als letzten Monat“, erzählen sie. Für ihren Marktstand müssen sie 6.000 SDG zahlen. (Sicherlich müssen sie auch einen Kreditzins zahlen, leider haben wir da nicht nachgefragt.) Aber grundsätzlich geht ihr vorbereiteter Businessplan auf und sie profitieren enorm von dem Startkapital. Die Preise ihre Ware orientieren sich an denen auf dem Markt und ihres Einkaufs. Permanent müssen sie anpassen, denn in unruhigen Zeiten, wie wir sie hier an der Grenze zum Kongo haben, steigen die Preise kontinuierlich. Wöchentlich treffen sich die Frauen zur Reflektion, zum Lernen und Korrigieren. Wir erfahren, dass viele Frauen alleinstehend mit ihren Kindern sind. Ihre Männer haben zu Gunsten einer 2. Frau ihre erste Familie verlassen. 

Diesen Freitag müssen die Frauen ihr Startkapital abgeben und an eine andere Frau weitergeben. Unseren drei fällt es nicht schwer, sie haben genug zum Weitermachen und für ihre Familie. Joyce freut sich schon, der neuen Frau mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

 

Donnerstag, 1.12.2022

36°C

Der letzte Tag unserer Reise ist angebrochen. Am Morgen bringt uns ein kleiner Flieger von Yambio zurück nach Juba. Neun Passagiere haben darin Platz. Vor dem Start werden nicht nur das Gepäck, sondern auch die Passagiere gewogen und die Sitzplätze so verteilt, dass das Flugzeug gleichmäßig beladen ist.

Mit dem YMCA steht noch ein wichtiges Treffen an. Ein wesentlicher Grund für die Reise war der Beginn einer offiziellen Partnerschaft mit dem YMCA Südsudan. Da die Vorstandsmitglieder über das ganze Land verteilt sind, können nicht alle dabei sein. Wir freuen uns sehr, dass vier der Vorstände, der Jugendvertreter und einige andere engagierte Ehrenamtliche bei der Unterzeichnung dabei sind. Als wir zurück ins Guesthouse fahren ist es schon dunkel. Trotzdem zeigt das Thermometer noch 36°C.

Ach ja – eine Antwort auf eine Frage sind wir euch noch schuldig: Wie ging es der Schokolade? Dem Tipp eines Schokoladenherstellers aus Waldenbuch folgend, haben wir die Schokolade in Zeitungspapier eingewickelt. Das ging bis 30° C erstaunlich gut – die Tafeln haben ihre Form behalten. Wird es heißer, braucht es einen Kühlschrank – oder einen Topf und Obststückchen!

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