15.06.2020 - Gisela Schweiker (Redaktion)

Von der Partnerschaft zur Gemeinschaft

Nvou Pwol Luther, Partnerschaftskoordinatorin des YMCA Northern Zone/Nigeria (Foto: YMCA NZ)

Ein Interview mit Nvou Pwol Luther, Partnerschafts-Koordinatorin im YMCA Northern Zone/Nigeria

Die Beziehungen, die die ehren- und hauptamtlich Engagierten des EJW-Weltdienst mit Christen und Christinnen der Partnerländer leben, sind eine Bereicherung für weltweite Jugendarbeit. EJW-Weltdienst-Referent Stefan Hoffmann (SH) befragte Nvou Pwol Luther (NL), Koordinatorin des YMCA Northern Zone/Nigeria, was wir aus diesen interkulturellen, sprachen- und kontextübergreifenden Beziehungen lernen können.

 

SH: EJW-Weltdienst und YMCA Northern Zone arbeiten nun 54 Jahre zusammen. Wie wichtig ist es, eine Perspektive für eine langfristige Partnerschaft zu haben?

NL: Die Bedeutung einer langfristigen Partnerschaft zwischen Organisationen kann durchaus mit einer Ehe verglichen werden. Kein Paar, das eine eheliche Verbindung eingegangen ist, würde sich wünschen, dass diese in kurzer Zeit beendet wird. Langfristige Partnerschaften führen zu starken Partnerschaften, die eine größere Wirkung haben.

 

SH: Sehr oft finden wir in einer Partnerschaft Abhängigkeiten. Ein Partner ist in der Lage, den anderen Partner zu dominieren. Welche Erfahrungen hast du als afrikanische Frau gemacht, die in einem patriarchalischen Umfeld lebt und eine finanziell stärkere Partnerorganisation hat?

NL: Partnerschaft ist gleichzusetzen mit einer symbiotischen Beziehung, in der es auch um den Nutzen geht. Es ist klar, dass Partnerschaft auch dann besteht, wenn beide Parteien einige Mängel haben und eine helfende Hand brauchen, um zu erreichen, was eine einzelne Partei allein nicht erreichen kann.

Als afrikanische Frau, die sich in einem patriarchalischen Umfeld bewegt, ist es nicht einfach. Vom Haushalt über den Arbeitsplatz bis hin zu den Gottesdiensten - es ist die Welt des Mannes. Egal wie sehr sich eine afrikanische Frau auch bemüht, ihre Bedeutung in der Gesellschaft hat eine Grenze. Aber die Frau hat diese stereotype Situation, die ihre Beiträge zu Hause, am Arbeitsplatz und an den Gottesdienststätten einschränkt, zu ertragen und kann trotzdem ihr volles Potenzial ausschöpfen. Andererseits sollte der wohlhabende Partner von Gottes Schöpfung lernen, dass nicht alle fünf Finger gleich groß erschaffen sind, weil jeder dazu bestimmt ist, den anderen zu ergänzen. Wenn wir alle gleiche Fähigkeiten und Fertigkeiten hätten, würden wir einander nicht brauchen. Ein weiteres Beispiel ist der Körperbau von Mann und Frau, die sich zwar voneinander unterscheiden, sich aber gegenseitig ergänzen.

 

SH: In unseren Partnerschaften seien sie menschlich oder organisatorisch sprechen wir verschiedene Sprachen. Wie überwinden wir Barrieren des Missverstehens und der nicht effektiven Kommunikation?

Effektive Kommunikation ist die Lebensgrundlage jeder fruchtbaren oder erfolgreichen Partnerschaft. Wir müssen nicht die gleiche Sprache sprechen, bevor wir eine Partnerschaft eingehen. Aber um Barrieren überwinden zu können, müssen beide Partner in der Kommunikation eine klare und einfache Sprache verwenden, Wiederholungen einsetzen, visuelle Kommunikationsmethoden verwenden, sich bemühen, kontextuelle Unterschiede zu verstehen und respektvoll und höflich in der Ausdrucksweise sein.

 

SH: Du hast einmal gesagt, dass wir als Organisationen nicht mehr in einer Partnerschaft (partnership), sondern in einer Gemeinschaft (fellowship) sind. Was heißt das?

NL: Partnerschaft ist wie eine Art Unternehmen, bei der sich zwei oder mehr Personen das Eigentum teilen. Ebenso wie die Verantwortung für die Leitung, die Einnahmen oder Verluste, die das Unternehmen generiert. Das alles kann auf einer formellen Vereinbarung von zwei oder mehr Parteien beruhen.
Gemeinschaft ist dagegen eine freundschaftliche Verbindung von Menschen, die die gleichen Interessen haben. Vom biblischen Standpunkt aus gesehen ist Gemeinschaft ein Zeichen der Einheit von Gottes Familie. Dabei gilt es zuerst, in Gemeinschaft mit zu Gott zu bleiben, und dies geschieht durch das Dranbleiben an seinem Wort.
In einer christlichen Gemeinschaft gibt es viele Vorteile wie gegenseitige Erbauung, Freude und Engagement, gegenseitiger Dienst, Ehrerbietung, Geduld, Akzeptanz und Demut. Du stimmst mir sicher zu, dass solche Vorzüge christlicher Gemeinschaft in den 54 Jahren unserer Zusammenarbeit, die ja auf gegenseitige Erbauung und nicht nur auf eine Absichtserklärung ausgerichtet ist, sichtbar geworden sind. In einer Partnerschaft wird der Vertrag gekündigt, sobald eine Regel der Absichtserklärung verletzt wird.
Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir unsere gesamte Existenz nicht mehr voreinander verbergen, genau wie Ehepaare in der Ehe. Die Gemeinschaft ist in allen Bereichen stärker als die Partnerschaft. Deshalb würde ich lieber sagen, dass wir in einer Gemeinschaft als in einer Partnerschaft leben.

 

Wir als Länderausschuss Nigeria sind dankbar für das gemeinsame Lernen und Einüben dieser Beziehungen.

Stefan Hoffmann, Landesreferent EJW-Weltdienst

 

Dieses Interview ist in gekürzter Form erschienen in der EJW-Zeitschrift "unter uns" 3/2020 (S. 20).

 

 

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